Dr. Jürgen Rembold Stiftung
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Pressemitteilung vom 01.09.2021

PRESSEMITTEILUNG

Florian Wagner gewinnt 9. Rösrather Kabarettfestival

 

„Ein verrücktes Festival, aber ein unglaublich schönes“, fasste Alwin-Georg Maibach, neuer Vorsitzender des Rösrather Kulturvereins Schloss Eulenbroich e.V., die drei Kabarettabende unter anhaltendem Applaus zusammen. Das 9. Kabarettfestival war in der Tat ein ganz Besonderes: Zum ersten Mal haben sich acht Nachwuchskünstler im Sommer gemessen, weil das traditionell im Januar stattfindende Festival coronabedingt ausfallen musste. Dennoch glückte es den Veranstaltern, alle Kandidaten auch für den Ersatztermin im August zu verpflichten – bis der Bahnstreik die Pläne durchkreuzte und erneut Improvisation erforderte. Das Publikum, das in zwei Vorrunden jeweils zwei von vier Kandidaten für das Finale auswählt, freute sich am ersten Abend über Nachrücker Lennard Rosar, der mit bissigem Humor und politischem Kabarett überzeugte und vom Publikum zu seiner großen Überraschung ins Finale gewählt wurde. Doch ein bereits anderweitig zugesagter Auftritt verhinderte seine Teilnahme und so wurde ein drittes Mal improvisiert: Liese-Lotte Lübke reiste ohne zu zögern erneut an, um in einem gut gefüllten Bergischen Saal von Schloss Eulenbroich das zu tun, was sie und ihre Kollegen so sehr vermisst hatten: mit vollem Elan und ganzem Herzblut live vor Publikum zu performen.
Schnell kristallisierte sich ein Favorit der Herzen heraus: Florian Wagner, schon aufgrund seines Bühnenoutfits mit T-Shirt, Sakko und Boxer-Shorts unvergesslich, begeisterte beim Vorentscheid und im Finale mit humorvoll-satirischen Geschichten am Piano, glänzte mit Gesang auf höchstem Niveau und sorgte von der ersten Sekunde an für Heiterkeit im Saal. Er gewann den Publikumsentscheid und damit das 9. Rösrather Kabarettfestival vor Jonas Greiner, Fee Brembeck und Liese-Lotte Lübke.
„Wir wollen uns drei schöne Abende machen“, prophezeite Dr. Jürgen Rembold, der das Kabarettfestival mit aus der Taufe gehoben hat und mit seiner Stiftung zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements auch die Preisgelder von insgesamt 3000 Euro sponsert. Rembold warf einen humorigen Blick zurück auf die Highlights der vergangenen Wettbewerbe und stellte fest, dass viele der Gewinner in den Folgejahren auf großen Bühnen und im Fernsehen Karriere machten wie Özgur Cebe, „Herr (Johannes) Schröder“ oder Markus Kapp. Er dankte den vielen unermüdlichen Ehrenamtlern des Kulturvereins, die das Festival unter nach wie vor schwierigen Coronabedingungen möglich machten.
Im Wechsel stellten Maibach und sein Stellvertreter Dr. Heiko Lippold die Kandidaten vor. Der spätere Gewinner Wagner wurde angekündigt „als einer, der Comedy und die Klaviatur des Komischen beherrscht“. Einen eindrucksvollen Beweis lieferte der Münchner direkt zum Auftakt, als er sein „Absichtlich schlechtes Lied“ mit falschen Zwischentönen grandios am Piano intonierte.

 

Später folgte virtuos bis in die letzte Note Helene Fischers „Atemlos“ als Mozart-Interpretation und eine musikalische Reise von Salsa, Swing, Jazz und 12-Ton-Musik, die mit stürmischem Beifall belohnt wurde. Wer genau zuhörte, konnte in den gefälligen Melodien auch sozialkritische Töne Wagners hören, Regenbogen und UEFA, Coronapolitik und die Folgen von „Social Distancing“.
„Großes“ Talent zeigt auch der Zweitplatzierte Jonas Greiner. Er kokettierte geschickt mit seinen 2,07 Metern und ließ die Zuschauer, süffisant und pointiert erzählt, an seinen alltäglichen „Groß-Ereignissen“ teilhaben. Selbst zum Zeitpunkt der Wende „minus acht“, nahm der Thüringer Ost-West-Klischees glaubhaft auf die Schippe und das föderale Bildungssystem scharfzüngig unter die Lupe. In der Gunst des Publikums ganz knapp hinter Greiner landete Fee Brembeck, die als ausgebildete Opernsängerin und Poetry Slammerin stimmgewaltig „Schlau als das neue Schön“ verkündete. In einer herrlich-komischen Persiflage nahm die in Bayern aufgewachsene Wahl-Berliner die Zuschauer mit in Lyrik-Tutorials einer Influencerin, in Clubs, wo auf Bocelli abgerockt wird und bewies unter akrobatischem Einsatz, dass Bewegung essenziell für schöne Töne ist. Mit viel Tiefgang und ernsthaft-sarkastisch appellierte Liese-Lotte Lübke am Keyboard an Politik und Gesellschaft, sich für den Erhalt der Kultur stark zu machen. „Die Welt braucht mehr Kabarettisten“, sagte sie und „ohne uns ist es still“. Nach drei Abenden Rösrather Kabarettfestival möchte man gerne ergänzen: „Und das Leben wäre halb so schön.“

Petra Stoll-Hennen, 01.09.2021
 

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