Dr. Jürgen Rembold Stiftung
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Pressemitteilung vom 01.07.2021

PRESSEMITTEILUNG


Vielleicht war Jesus ein kölsche Jung  

Michael Bildhauer und Stefanie Brands gewinnen vierten Kölsch-Literaturwettbewerb

 

Ob der Herrgott eine ganz besondere Verbindung zu Köln hat oder Jesus ene kölsche Jung wor, ist ein schönes, humorvolles Gedankenspiel, in das Michael Bildhauer die Zuhörer des vierten Kölsch- Literaturwettbewerbs Ende Juni im Bergischen Saal von Schloss Eulenbroich entführt. Fast könnte man das in wunderbare Reime gegossene Märchen für wahr halten, denn bereits zum zweiten Mal in Folge ging der vom Rösrather Kulturverein Schloss Eulenbroich e.V. veranstaltete Wettbewerb zur Pflege der „Kölschen Sproch“ als erste Live-Veranstaltung nach Monaten des Kultur-Lockdowns an den Start.
In dem unter Einhaltung der Hygienevorschriften ausverkauften Saal lauschen rund 50 Zuhörer gebannt, wie 11.001 Jungfrauen die Jesusgeburt im Dom zu Kölle fiere, Rote Funken die frohe Botschaft verkünden oder statt Myrrhe und Weihrauch Himmel und Äd auf dem Gabentisch landen und belohnen die Phantasie des promovierten Chemikers mit Platz 1 in der Wettbewerbskategorie Lyrik.
„Insgesamt haben 23 Männer und Frauen anonymisiert ihre Prosa- uns Lyrikbeiträge zum vierten Kölsch-Literaturwettbewerb eingereicht“, berichtet Ingrid Ittel-Fernau vom Kulturverein, die auch durch den Abend führt und die Autoren und Autorinnen vorstellt. Sechs davon wurden von den Mundart-Profis Monika Kampmann, Thomas Cüpper, Dr. Bernd Hambüchen und Paula Hiertz für das Finale ausgewählt und präsentierten ihre in Kölscher Sproch verfassten Rümcher (Lyrik) und Verzällcher (Prosa) mit viel Herzblut und Hingabe.
Mut, Nervenstärke und Gelassenheit der Veranstalter lobte auch Sponsor Dr. Jürgen Rembold, dessen Stiftung zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements den Wettbewerb mit initiierte und Preisgelder in Höhe von insgesamt 1.200 Euro vergibt. „Für mich, so betonte der gebürtige Kölner Rembold, „ist Kölsch eine faszinierende und ausdrucksstarke Mundart, die es zu erhalten lohnt.“
Wie gefällig und erheiternd in Kölscher Sproch ein so ernstes Thema wie Isolation und Vereinsamung durch Digitalisierung klingen kann, stellt Stefanie Brands mit ihrer Geschichte „Internetz“ unter Beweis. Durchaus dialektisch schildert sie zunächst die Vorteile der Digitalisierung: virtuelle Meetings, kein lästiger Nachhauseweg, Businesskleidung nur bis zum Bauchnabel, Tutorials zur psychologischen Selbstbehandlung. Doch als ein technischer Defekt den Stecker zur Außenwelt zieht und nicht nur die Nachbarin, sondern sogar die eigene Stimme fremd geworden ist, kommt Brands Protagonistin ins Grübeln und tauscht das virtuelle Leben mit dem echten auf einer Parkbank im Grünen. Dort beginnt für sie eine „wunderbare internetfreie Zick“. Für ihre engagierte Erzählung erntet die ehemalige Puppenspielerin des Kölner Hänneschen Theaters viel Applaus und wie im Vorjahr den Sieg in der Wettbewerbskategorie Prosa.

Die zweiten Plätze belegen in der Kategorie Lyrik Vorjahressieger Mario Maintz mit seinem Gedicht „Desmol wor et anders“, in dem er ein eindrückliches Zeitzeugnis einer ausgefallenen Karnevalsession zeichnet und Rita Goldammer mit ihrer Persiflage „Wie et kom, dat de Hüssäge…“, in der sich ein urkomischer Corona-Dialog eines alten Ehepaares entwickelt, der mit ihrem Mitleid für die sozial Isolierten beginnt und mit einer Diskussion über die Kontakt- und Berufsverbote im Rotlichtmilieu für ihn auf sehr dünnem Eis endet.

Die dritten Plätze gehen an Helga Stein, deren Gedicht „Demokratie“ stellvertretend von Dr. Bernd Hambüchen vorgetragen wurde und das kritisch-humorvoll alle Besserwisser und sogenannte Demo-Demokraten in Zeiten von Corona unter die Lupe nimmt sowie an Gerda Laufenberg, die in ihrer Geschichte mit einem Augenzwinkern und sozialkritischen Unterton die vorgegaukelte heile Kneipenwelt des „Trink doch ene mit“ entlarvt.
Zum Abschluss erhielten die Finalisten von Stifter Dr. Jürgen Rembold ein Paket Rösrather Kulturkaffee samt Tasse und Schecks in Höhe von je 300, 200 und 100 Euro.
Beim Corona-geordneten Rückzug in die feuchtwarme Sommernacht sah man in strahlende Gesichter und hörte ein vielfaches „Wat wor et wieder schön!“

 

01.07.2021, Petra Stoll-Hennen

 

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